Mittwoch, 6. November 2013

花火 (Hanabi) und mongolische Kultur zum Anfassen *-*

Am 19. und 20. Oktober war dann wieder ein Highlight- Wochenende.


Das fing damit an, dass wir am Samstag den ganzen Tag jede halbe Stunde zum Himmel schauten und hofften, die blöden, grauen Regenwolken würden sich eeendlich verziehen…

Warum? Weil wir heute zur Seaside fahren und ein fettes Hanabi - はなび -Feuerwerk bestaunen.


Zum Abend sind die Wolken dann fast weg- nur noch ein paar sind übrig, aber die gefährden unser 花火 nicht mehr.


Es geht also los, Otosan, Okasan und ich fahren nach Fujisawa

Eingepackt wie ein Eskimo, weil es ja bei der „Seaside“ (Entschuldigung, aber mir fällt absolut kein perfektes deutsches Wort für Seaside ein.. Das beschreibt es einfach zu gut) kalt und windig ist, steigen wir in den Zug ein.


Habe ich euch von meiner zu vollen Yokohama-Line erzählt? 

Habe ich damals behauptet, es wäre der pure Wahnsinn gewesen?

Falls ihr euch daran erinnert, vergesst es.


Das war gar nichts. Gar nichts gegen die Bahn am Samstag, auf den Weg nach Fujisawa.

Wir haben einen „Rapid“- Zug erwischt (Die halten –so wie in Deutschland auch- nicht an jeder Station an) und die Rapid-Züge sind ziemlich beliebt.

--> Ich war also seelisch darauf vorbereitet, dass es extrem voll wird.


Aber SO voll- das hatte ich dann nicht gedacht. Weil ich dachte, dass wir ja Menschen sind- und wenn man sieht, dass der Zug voll ist (Sardinendosen-Style) man nicht versucht sich mit Gewalt noch mit hineinzuquetschen.


Doch nicht so an dem Samstag. Wir waren nicht mehr eine große Traube an einzelnen Menschen, die in dem Zug waren, wir verschmolzen förmlich zu einer riesigen Masse. 


Wenn nur einer rauswollte, bewegte sich die gesamte Masse, man ging nicht mehr zur Seite, man wurde geschoben. 

Der helle Wahnsinn

Ich mag jetzt mal behaupten, dass das die krasseste Voller-Zug-Situation meines ganzen Lebens war, denn ich mag das nicht nocheinmal erleben. 

Ich war panisch – und das passiert eigentlich so gut wie nie. 

Normalerweise finde ich ja solche Situationen eher witzig (Was meine Momma manchmal in den Wahnsinn treibt :p) aber dieses Mal konnte ich nicht lachen. 


–Deswegen auch kein Foto- weil ich in dem Moment echt nur daran denken konnte, dass ich aufpassen muss, dass ich jetzt nicht hinfalle oder mich nicht mit der Masse bewege - sonst werde ich übertrampelt. 


Erst auf dem Bahnsteig, beim Warten auf den Anschlusszug (Es kamen und fuhren während wir warteten drei Züge- so viele Menschen waren auf dem Bahnsteig, dass wir drei Züge rappelvoll losfahren gesehen haben, bevor wir in einen hineinkonnten) fand ich das alles so SUGOI, dass ich kurz ein Video gemacht habe :D


Du weißt, es ist die perfekte Zeit um Zug zu fahren, wenn es SO aussieht: http://www.youtube.com/watch?v=2jfwVncjpNQ


...

 

Das Feuerwerk war dann einfach mal meeegaschön- das könnt ihr euch bestimmt denken.



Wir hatten Karten für das Event und somit Sitzplätze an einem „Strand(Park, Wiese? Das war so´n Mix aus allem drei :D)


Hier kommen einfach mal ein paar Bilder, denn die zeigen das eh am Besten:




Der Finale BOOM

Tausende Lichter *-*


Uuuuund- Feuerwerk alleine wäre ja für Japan zu langweilig- Was ist das denn für ein Erlebnis?! :D 
Ich erlebe mein erstes aktives Feuerwerk- aktiv, sozusagen Feuerwerk verbunden mit Denken
Denn das ein Teil der Show war sozusagen Bilder raten- Da erschienen Herzen, Smileys, Brillen, Blumen und Katzen am Himmel, die man erst einmal identifizieren muss. :D Seht selbst: 


Saru (Affe) 

 

Nach dem Feuerwerk ging es dann in Tsukushino ins Uchi

Das Uchi ist ein mega gemütliches, leckeres Restaurant, eine Minute von meinem Zuhause entfernt. 

UCHI♥

Ich bin bis jetzt immer vorbeigegangen (wenn ich zum Bahnhof gegangen bin) und habe hineingeschielt, weil es so toll aussieht. 

Man sieht beim vorbei gehen immer den sympathischen Restaurantbesitzer vor einem „Grill“ stehen und etwas wenden- und die Gäste sehen immer so relaxed und gut gelaunt aus.


Der Chef am Grill- Er kann´s perfekt!

Es war also meeeega lecker und auch wir hatten gute Laune, es ist als würde dich eine Aura der Freude umringen, sobald du einen Füß in das Uchi (Uchi= Zuhause auf Japanisch) setzt.


...

 

Am Sonntag verbrachte ich den Tag bis abends mit abwechselnden schlafen, Tee trinken und Kanji´s lernen. :D


Und abends machten Okasan und ich uns dann auf den Weg nach Hashimoto.


Hashimoto ist die nächste große Stadt hier- 

Ok, dazu muss ich vielleicht ein bisschen was erklären.. Tokyo besteht sozusagen aus mehreren größeren Städten- und das, was wir in Europa als Tokyo Bezeichnen ist im Prinzip nur Toyko Underground (Shibuya, Shinjuku, Oshiage und so weiter). Hachioji liegt von „dem richtigen“ Tokyo etwa 40 Kilometer entfernt und gehört trotzdem noch zu Tokyo. Und Hashimoto ist zwischen Machida und Hachioji die nächstgrößte Stadt, liegt also auf meinem Schulweg (in Hashimoto ist immer die Hälfte des Weges geschafft ;) )


Auf jeden Fall sind wir heute in Hashimoto zu einem mongolischen Konzert eingeladen. 


Ihr kennt ja meine Oyuja schon (auch Austauschschülerin, aus der Mongolei) und ihre Gasteltern haben uns zu dem Konzert eingeladen, weil sie wissen, dass Oyuja und ich so gute Freunde sind.


An dem Abend traf ich das erste Mal auf ihre Gastfamilie. 

Die sind soooo süß und nett!!! ♥


Das Konzert war der absolute Hammer! Ich wusste ja vorher nicht so genau, ob das so mein Geschmack ist (weil ich wusste, dass es ein traditionelles mongolisches Konzert wird), aber es war so absolut geil!

(Oh ja. Das muss man auch mal so sagen, egal wie nicht-öffentlich-reif das Wort ist)



Der Anlass des Konzertes war das 20-jährige Jubiläum zwischen der Soyol Erdem Universität aus der Mongolei und der J.F. Oberlin- Universität hier in Japan.

Die Hauptband

 

Es gab während des Konzertes eine Hauptband, die Egshiglen Mongolian Folk Music Group, die im Prinzip den Hauptteil des Programmes ausmachte.

Sie besteht aus einer von links angefangen mongolischen (Pferdekopf-) Geige, einer Limbe (Querflöte), der Yochin (Hackbrett- guckt euch selbst die Wikierklärung an, wenn ihr´s mögt: http://de.wikipedia.org/wiki/Hackbrett), dem Ever Buree (gebogene, hölzerne Oboe) und der Yotga (Zither).


Band+ (Opern-)Sängerin


Das Yochin
Die mongolische (Pferdekopf-) Geige
- Der Instrumentalist ist Student an der mongolischen Uni- 

Die Band harmonierte sehr gut zusammen und zu den Liedern sang einer der Instrumentalisten im Khoomi (Obertongesang, traditionell mongolisch- Dabei wird aus dem Kehlkopf gesungen), was einfach mal atemberaubend klang. 

Der Mann mit der atemberaubenden Khoomi- Stimme *-*

Denn es hörte sich an, als würde aus dem einen Mund des Sängers drei Stimmlagen kommen- wie auch immer er das gemacht hat… ES WAR PERFEKT!


Neben dem eher tiefen Gesang hörten wir auch ein Lied in Opern-Gesangshöhe (da blieb mir auch der Mund offen stehen…) und zwei Lieder in wunderschöner, klarer, (normal-) hoher Stimme.


Wunderschöner, mongolischer Gesang in traditionellem Kleid

 

Zwischen den Liedern gab es 4 Tänzerinnen, die uns traditionelle Tänze aus der Mongolei zeigten.

mongolische Kultur- cool und traditionell gleichzeitig
--> atemberaubend.


Die Tänze könnten locker als Sportart durchgehen, da sind Oyuja und ich uns nach dem ersten Tanz schon einig.

- Die Tänzerinnen standen wirklich nie, die Beine waren wirklich von Anfang an in Bewegung und es gab verrückte Szenen in dem Tanz, wo die Frauen einfach in die Luft gesprungen sind und dann mit den Knien auf dem Boden aufkamen und dann ... weitertanzten- während ich Angst um sie habe und mir die Augen zukneife bei dem Klatschgeräusch, als sie auf dem Boden aufkommen


DER Sprung

Und richtig umwerfend war die letzte Perfomance der Tänzerinnen.


Die vier Tänzerinnen+ Geigen-Instrumentalist
(+ das Outfit der letzten Perfomrance)

Da tanzten sie mit 4 gestapelten Schüsseln auf ihrem Kopf.

Ich konnte so schon nicht hinsehen, weil ich dachte, dass gleich eine der Schüsseln runterfällt- ich war also so schon ein Nervenwrack :D

Aber das reicht den Mongolen ja nicht, extra besonders ist ja nicht speziell genug. 


Die vier fantastischen Frauen beendeten ihren Tanz damit, dass sie die vier Schüsseln einzeln von ihrem Kopf nehmen und auf den Boden stellen- und als sie die letzte Schüssel herunternehmen kippen sie Wasser aus der untersten Schüsseln in eine der anderen Schüsseln.

Ich kann´s einfach nicht glauben- Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen! 


Sie haben GETANZT, mit 4 SCHÜSSELN AUF DEM KOPF und in der UNTERSTEN ist WASSER !


Ich meine, das sah teilweise so aus, als wäre der Kopf gar nicht mit dem Rest des Körpers verbunden, als wäre das nicht eins- die haben so schnell getanzt und ihr Kopf hat sich trotzdem nicht ein bisschen bewegt.






Es gab dann noch diese Frau, die mich schlussendlich komplett um meinen Verstand gebracht hat. 
Sie hat ihren Körper verdreht und verschoben bis zum Get-no.

Es ist schwer zu beschreiben, ich kann euch nur sagen, dass es so aussah als würde ihr Oberschenkel direkt an ihrem Ohr beginnen, so sehr konnte sie sich verdrehen. 
teilweise konnte ich auch echt nicht hinsehen, weil es schmerzlich aussah :p



Mach das nach, dann bist du King.

 

 ...

 

Und wir sind ja wieder Glückskinder ♥ ♥ ♥


Die Gastmama von Oyuja hat Kontakte zu dem Leiter der japanischen Uni, die das Konzert organisiert hat und deswegen dürfen wir nach dem Konzert hinter die Bühne zu den Darstellern.


von links sehend:
Oyuja´s Gastpapa und die Artisten, Sänger und Instrumentalisten
hockend:
Oyuja´s Gastbruder, Gastschwester, Okasan (meine), ich,
Oyuja´s Okasan, Oyuja und die Familie der Darsteller


Wir treffen also auf diese faszinierenden Persönlichkeiten und sehen sie, wie sie lachen, ihre Kinder abkitzeln und Foto´s machen. 
Die Dehn-Frau, ich, die tolle Sängerin und Oyuja-
Stars zum Anfassen *-*

Die Show, in der wir waren war sowas wie eine Generalprobe- Denn sie werden das gleiche Konzert nochmal eine Woche später in einem viel größerem Saal geben. Alles hat perfekt geklappt, deswegen waren sie total euphorisch und gut drauf. 

Oyuja kann natürlich auf Mongolisch mit den Darstellern reden und man merkt richtig, wie sie dabei aufblüht. 

-Nur die schönsten Mädchen kommen aus der Mongolei- 

Schöööön

Dienstag, 5. November 2013

Wie das Leben so spielt

Der Alltag läuft, läuft und läuft… und wir laufen mit.


Mitte Oktober- Und es wird kälter- der Blazer wird zum ersten Mal getragen! :)
Ab zur Schule!!



Tsukushino bei langsam untergehender Sonne♥
Es gab ein paar stressige Tage mit Yoshi und der Gastfamilie und in den Tagen habe ich mein deutsches Leben ziemlich vermisst.
-Einfach die tiefen Beziehungen, das Verstehen, das Füreinander Einstehen und vor allem die Nähe- dass man einfach in den Arm genommen wird, wenn´s einem mal nicht so gut geht.

Ich hätte vor Japan niemals geglaubt, dass ich Deutschland so sehr vermissen würde
Eigentlich war ich sogar das totale Gegenteil: Nach meinem ersten, kleinen Austausch in der Türkei habe ich ja oft gesagt, dass ich auf gar keinen Fall in Deutschland leben möchte, wenn ich erwachsen bin. Ich hatte es damals echt genossen, die Welt zu erkunden und ich konnte nie verstehen, warum jemand nach Deutschland will (Also jetzt mal nur aus kultureller Sicht gesehen)
Und ich wollte ja auch unbedingt nach Japan gehen und habe nicht eine Sekunde lang darüber nachgedacht, was es heißt, seine Familie wirklich zurückzulassen und sie ein Jahr lang nicht zu sehen

Was es heißt, seine Freunde ein Jahr nicht um sich herum zu haben. 
Was es heißt, in einem Land zu leben, in dem man quasi nichts versteht und sich in ein Umfeld einzuleben, das einem völlig fremd ist.

Das passend melancholische Bild zur Vermissen-Stimmung..
Die Sonnenuntergänge sind hier faszinierend- verleiten zum Rumlaufen und Nachdenken.
Es ist verrückt, denn erst im Nachhinein weiß man, was alle die lieben Personen um einen herum für einen die ganze Zeit tun (oder getan haben).
- Erst wenn die Menschen nicht mehr da sind, fällt einem auf, wie einem gerade die kleinen, selbstverständlich Gesten, Worte, Momente, Umarmungen und einfach das Da-Sein fehlt.

Und auch erst jetzt lerne ich Deutschland so richtig zu schätzen
Ich liebe mein Land, mein Deutschland. 
Ich liebe es, dass Deutsche so herzlich und offen sein können- dass sie so mega tiefgründige Beziehungen untereinander haben und endlose, tiefe, gute Gespräche führen –und sie auch brauchen.

Ich lieeeebe deutsches Brot und deutsches Umweltbewusstsein, alte Menschen, die so gerne Süßes an Kinder verschenken, mein kleines Dorf, in dem jeder jeden kennt und wo man fast gezwungen ist andauernd jeden zu grüßen. 
Ich liebe die so oft verfluchten weiten Wiesen und Flächen im Oderbruch, wo einfach nur Feld ist und man die frische Luft atmen kann, ich liebe die Liebe, die Eltern für ihre Kinder haben, auch wenn sie manchmal in panische Angst und Kontrolle kippen kann. 

Haha, ihr merkt schon, fetter Liebesbeweis an Deutschland, ne? :p

(Oyuja und ich haben einen Sonntag damit verbracht in Machida vor dem Bahnhof rumzusitzen, der Straßenmusik zu lauschen, Leute zu beobachten und uns gegenseitig aus unserer Heimat zu erzählen)
...

An einem Sonntag (genauer genommen am 13.Oktober) waren wir in Machida in einem mega coolen japanischen Restaurant essen.



Das megacoole, leckere Restaurant
-Es war eigentlich eher aufgebaut wie eine riesige Bar. 
In der Mitte des Restaurantes war halt auch der Tresen und innen bereiteten Köche Sushi und co zu. 




 Okasan, ich und im Hintergrund das Förderband+ Essen :D

Das wurde dann auf eine Untertasse gelegt und dann per Förderband im Kreis rumgeschickt.
Wenn du nun einen Teller entdeckst, der total lecker aussieht, dann muss Reaktion gezeigt und zugegriffen werden- Falls du das dann verpasst könntest du Glück haben, dass niemand anderes sich den Teller schnappt und nach einer Runde die neue Zugreif-Chance da ist. :D

Die Teller haben verschiedene Farben und je nach Farbe gibt es einen Preis- also hast du dann auch eine individuelle Rechnung, wenn du zu Ende gespeist hast. :)

Hihi, unsere Teller ;)
...

Oyuja und ich- "enjoyen" Halloween ;)
Einen Tag verbrachten Oyuja und ich dann in Minami-Machida, dort war ein kleines Halloween- Fest und wir genossen die Live-Musik und Bühnenartisten- bei einem schööönen Crepe und noch besseren Gesprächen!


Natürlich machen wir mit der coolen Liveband auch ´nen Foto.
Von der Ausländerlinse bleibt halt keiner verschont ;D


Der Diabolo-Artist, der es einfach mal extrem gut konnte!
...



Es gab zwischen durch auch noch zwei Taifune, die uns in Tsukushino aber nur leicht schrammten
Krasse Taifun-Regenwolke
- Beginn des Taifuns, als die Sonne gerade vertrieben wurde :D


Die sagten sozusagen bei uns nur noch freundlich mit kühlem Dauerregen „Sayounara“ und verschwanden dann. 
-Und Regen bin ich ja aus Deutschland auch gewohnt. Trotzdem finde ich es auch toll, dass die Schule später beginnt und wir zwei Stunden länger schlafen können. 

...
Und Unterrichtsausfall wegen Taifun- Ich glaube wegen solch einer Begründung durfte ich noch nie länger schlafen. Hört sich dann doch schon cool an. :D

...

Was ich sehr an Japanern schätze ist ihre Art, sich über kleine Dinge total doll zu freuen

Manche finden das kindlich und eher nervig- Ich liebe es!
--Diese kleinen Sachen, wenn jemand stolpert oder man Aki beim Tanzen ausversehen die Hand auf den Kopf haut. (Also das ist kein böser Charakterzug—der Tanzschritt ist einfach, den Arm nach rechts zu strecken, und Aki ist so klein und mein Arm einfach mal zu lang für den normalen japanischen Abstand :D)
Die Japaner (vorallem die Japanerinnen :D) finden das irre witzig und kugeln sich immer vor Lachen. :D Irgendwie finde ich das extrem liebenswert und das macht einfach die Stimmung in der Schule viel fröhlicher
Big City Life- aus der Sicht der Machida  Twins ♥
(zwei riesige Shoppingtürme, die in der Mitte, über der Straße verbunden sind-
Wir standen sozusagen in der Mitter des Ganges, der West- und Ost-Twin verbinden) 


Noch dazu ist die japanische Lache einfach mal entzückend

So unterschiedlich, sooo ansteckend. Besonders Jungslachen sind einfach mal mega. 

--> Einmal saß ich im Zug drei Jungen aus meiner Schule gegenüber und die haben so schon ein süßes Bild abgegeben. Zwei waren eher so der Sumoringertyp und daneben dann ihr spargeldünner Kumpel

Die zwei Sumoringer haben sich dann lustige Videos angeguckt und der Spargelkumpel hat immer versucht rüberzuschielen um auch was mitzubekommen, was natürlich nicht geklappt hat -
 alleine die Situation war schon zum Grinsen.
 Der Spargelkumpel hüpft auf und ab, ändert dauernd seine Position, um den Bildschirm zu sehen und die Sumoringer sitzen da und merken es nicht und lachen die ganze Zeit nur.

Und die Lachen der Beiden war einfach nur irre ansteckend, so´ne echte Männerlache, ich musste einfach die ganze Zeit mitlachen
Hiro im italienischen MARIE- Restaurant
Da musste ich fett an dich denken, meine Marly♥

Montag, 4. November 2013

Der besondere Besucher!

Erstmal...-->  Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie verrückt ich mich wegen diesem Tag gemacht habe. :D

Herr Tiedje
mein Schulleiter kommt nach Japan- 
Und zwar um die Hachioji High School und mich zu besuchen.

ALTER SCHWEDE!!!

Ich wusste, dass er sich eine Japanischstunde angucken möchte, sozusagen als Hospitation. Wuhuu. 
Ich war so mega mega mega aufgeregt. Ich habe Kanji gelernt bis zum Umfallen, weil ich wusste, dass ich montags immer mit Tojo-sensei Unterricht habe und Tojo-sensei Kanji´s mit mir lernt.

Es kam dann natürlich wieder alles anders als erwartet.

Aber ich fange am Besten mal von vorn an, sonst gibt es nur Verwirrung. :D

Herr Tiedje hatte  geplant mit einer ausgewählten Schülergruppe nach Japan zu fliegen, wie es im Oktober 2009 ja schon einmal (das erste Mal) der Fall war.

Doch daraus wurde leider nichts und deswegen beschloß Herr Tiedje, cool, wie er einfach mal ist, dass er alleine nach Japan fliegt.
Irgendjemand muss ja die grandiose Hachioji High School besuchen und gucken, ob auch alles gut läuft. ;p

Und wenn dann der Big Boss persönlich und auch noch alleine rüberfliegt, ist das schon aufregend für so´ne kleine Schülerin, die ihren ersten Monat in Japan rum hat. ;)

Es war also Montag, der 7.Oktober

Ich hatte am Sonntag morgen schon für ein paar Sekunden mit Tiedje-sensei (Seinsei= Lehrer, das hängt man hier einfach an den Namen an. Eigentlich ist das extrem korrekte Tiedje-kouchou-sensei [Kooschoozenzei ausgesprochen], aber das ist einfach mal zu lang und zuuuu unpersönlich, also machen wir ein normales Sensei daraus. Sonst gibt es immer diese meilenweite tiefe Höflichkeits-Gruft zwischen den Menschen) telefoniert, wie es ihm geht und ob sein Flug gut war.

Wir waren dann nach der ersten Stunde auf dem Weg zur Turnhalle, als wir Tiedje-sensei vor der Schule sahen. 
Ich habe mich so gefreut, dass ich erstmal - stürmisch wie ich bin.. :D- Tiedje-sensei umarmt habe. 

Haha, und sofort gemerkt, dass das vielleicht doch ein wenig (ok, viel!) unüberlegt war. 
Er war total geschockt-überrascht, aber ich habe mich so gefreut jemanden zu sehen, den ich kenne, dass meine Reflexe das Gehirn übernommen haben.
Der arme Tiedje-sensei!!! :D

Nach dem Sportunterricht hetzten Oyuja und ich dann zum Japanischunterricht und dort wurden wir von einer nervös lächelnden Okada-sensei und einem coolen Souleymane (der 3-Jahres-Austauschschüler aus Senegal, er macht ein spezielles Basketballprogramm, ist extrem nett &lieb [und SO SO SO begabt] ) begrüßt.

Ja, und dann gab es halt 50 Minuten Japanischunterricht, normalen Okada-sensei- Unterricht.
Obwohl ich schon merkte, dass sie nicht so perfekt vorbereitet war wie sonst immer. (Da fällt einem erstmal auf, wie perfekt vorbereitet sie sonst ist) Und mega nervös
Tiedje-sensei wird auch beschäftigt, mit einem Katakana-Arbeitsblatt über Olympia
Man merkt, dass es ihn sichtlich stresst, dass er nicht lesen kann, was dort steht- und das übersetzen ist teilweise ziemlich mühselig. Aber tapfer wie Tiedje-sensei ist, zieht er das durch und hat püntklich zum Stundenende das Arbeitsblatt durchgearbeitet- Und sogar ohne Fehler! 

Die Stunde war also echt normal und gut- und ich habe mir solchen Stress gemacht, ich doofes Kind :D

Nach der Japanischstunde aßen Tiedje-sensei, Fujioka-sensei und Enooku-sensei (Yoshi´s Klassenlehrer) Mittag in der Cafeteria. 
Wir redeten über Yoshi, Japan, Deutschland und meinem Leben- es war sehr gemütlich und schön.

Mit vollem Bauch ging es dann direkt weiter ins Rathaus von Hachioji

Dort trafen wir den Bürgermeister Hachioji´s, Takayuki Ishimori

Wir übergaben erst einmal Visitenkarten (wie das so üblich ist in Japan und meiner Meinung nach ziemlich süß und auch ein bisschen witzig[weil eigentlich unnötig, da Tiedje-sensei und ich die Kanji´s eh nicht lesen können, also die Karten eigentlich nicht verwenden können]) und danach sitzen wir gemütlich bei einem Tee zusammen und reden ein bisschen. Den Großteil verstehen Tiedje-sensei und ich nicht, aber nett lächeln können wir trotzdem -sogar ziemlich gut, wie ich finde. 

Und teilweise verstehe ich sogar Schlüsselworte und kann mir halbwegs zurecht schneiden, über was gerade geredet wird. 
Ich gebe dann ein kleines Resümee über meine Zeit hier- auf japanisch !- und bin stolz, dass ich das so hinbekomme. :)

Danach werden noch die obligatorischen Geschenke überreicht und dann geht es wieder zurück zur Hachioji High School.

Dort zeige ich dann Tiedje-sensei meine Schule und erzähle ihm, wie es mir hier so geht und was ich so erlebe.





Und dann, schwupps, die wupps, ist die Schule auch schon um, wir haben Homeroom (Klassenrat), in den ich Tiedje-sensei mitschleppe und wo er sich vor meiner Klasse vorstellt. 

Nach der Schule spielte das Schulorchester für uns. 





Ich habe sie am Schulfest leider nicht hören können, weil ich erstens einfach mal die Zeit verpasst habe und wie ich im Nachhinein erfuhr auch die Karten alle restlos vergeben waren. (das war der einzige Act, an dem es Karten gab, weil sie aus Ahnung wussten, dass die Leute sich um die Vorstellung nur so prügeln) 

Jetzt bekam ich also mit Tiedje-sensei und Fujioka-sensei eine private Vorführung. 
Special guests, special moments. 

- Das Orchester hat mich einfach mal extrem überrascht.
Ich habe ja schon bei Hiro´s  Schulfest von dem Orchester geschwärmt und dieses Orchester war nach ganz oben zu den besten Vorführungen gerutscht, aber unser Schulorchester änderte die Liste ein wenig. Es war perfekt anzuhören und vorallem machte es extrem viel Spaß dem Orchester zu lauschen. Und Orchester heißt hier in Japan ja nicht einfach Musik, Orchster heißt singen, tanzen (also Entertainment vom Allerfeinsten, da sollte sich RTL mal ´ne große Scheibe von abschneiden!) und Instrumente spielen

Überzeugt euch selbst:
http://www.youtube.com/watch?v=EcRKrB1CoxY


Nach diesem grandiosen Auftritt ging es weiter zum Beobachten des Basketballteams meiner japanischen Schule. 
Zuerst sahen wir kurz dem normalen Training zu und dann gab es ein exklusives Spiel, wieder nur für uns drei.





Und das ist wieder nicht so wie in Deutschland. In Deutschland erwarten die Spieler, die Sportler, den größten Respekt und Begeisterung des Publikums- hier in Japan ist es umgekehrt. Die Spieler reihten sich vor dem Spiel vor uns Dreien  auf sagten „Ki otsukete“ (Passt auf euch auf- eine Art höflicher Wunsch, den man äußert, wenn jemand geht oder in solchen Situationen- Man kann Ki otsukete eigentlich nie genug benutzen), bedankten sich bei uns und verbeugten sich. (Wir natürlich auch!)

Dann fing das Spiel an und ich kam aus dem „SUGOI“ (Unglaublich, fantastisch)- Sagen nicht mehr raus.
 (Und musste mich auch dauernd zwingen, nicht mit offenem Mund dazusitzen :D)

Sie meisterten das Spiel, es ist einfach unglaublich auf was für einem Level die Basketballmannschaft hier ist. Man kann es eigentlich wirklich nicht beschreiben, die Technik ist absolut sauber und die Schnelligkeit beeindruckend.

Und dann ist da wieder der japanische Ehrgeiz, der mich total in seinen Bann zieht.

Vielleicht kennt ihr das- wenn eure Mannschaft oder ihr selbst, so im Leben versagt, dann stellt sich so eine Motivationslosigkeit ein, gemischt mit einem Haufen Selbstmitleid. 
So von wegen „Ach ich armes Ding, alle anderen können das vieeel besser und perfekter als ich, ich werde nie so gut sein also muss ich´s ja auch nicht probieren! Ich schaff´s  ja eh nicht..“.

Aber die Japaner haben das Syndrom irgendwie nicht. 

Ich weiß nicht warum, aber Japaner kämpfen immer, selbst wenn es schon fast klar ist, dass die Mannschaft verliert, kämpfen sie unermüdlich bis zum Schluss. 
Rennen, probieren, rennen, probieren.. 

Und das macht das gesamte Clubleben hier so interessant.
- Jeder Club möchte der Beste sein, deswegen üben alle Clubs extrem hart. 
Freizeit wird dann klein geschrieben, dann heißt es eben jeden Tag 5 Stunden trainieren nach der Schule, dann fertig nach Hause fahren und noch für die Schule lernen und am nächsten morgen geht es von vorne los.

Wir Deutschen würden da an einem gewissen Punkt anfangen zu protestieren, aber die Japaner lassen sich das nicht einfallen.
- Nein, wenn sie mal einen Fehler machen oder der Trainer was erklärt rufen alle zwei-dreimal „Suimasen“ [Entschuldigung für Ihre Mühe] und es liegt eine tiefe Dankbarkeit in der Luft – Sozusagen zum Einatmen-.

Tjaa.. und als dann das Spiel beendet war, trafen wir auf Okasan und Otosan,  Herr & Frau Tsukamoto (den Gastgebern von Tiedje-sensei) , Mise-sensei (Meine Klassenlehrerin), Frau Inamura und Herr Sato (die zwei Schulleiter der Hachioji High School).
Otosan, Sato-sensei, Herr und Frau Tsukamoto, Mise-sensei und Fujioka-sensei
sitzend: Ich, Inamura-san, Okasan und  Tiedje-sensei

Okasan überraschte alle, denn sie grinste uns zur Begrüßung  in einem Kimono an. 
--> Mit den Worten: „ Ich wusste ja, dass wir japanisch Essen gehen..“ :D
Okasan und ich-
Sie im wunderschönen Kimono, ich in Schulkleidung :D
Wir fuhren also alle zusammen in ein traditionelles japanisches Restaurant und aßen dort gemütlich Abendbrot. 
Es gab Fisch, Fisch, Fisch, Fisch uuuuund (ratet mal) Fisch :D 
(Naja, gut, es gab auch andere Meerestiere: Krabbe, Muschel… aber das zählt bei mir alles unter der Fischkategorie :D)


Es entstehen natürlich wieder gute Gespräche und gegen 9 verabschiedeten wir uns voneinander und fuhren zurück in unser japanisches Zuhause (für den einen nur ein kurzes Zuhause, für den anderen ein laaaangwieriges Zuhause :p), wo ich dann todmüde ins Bett viel und sooooofort einschlief : ) 


Rechts: Frau Tsukamoto, Okasan, Otosan, Frau Inamura, ich
Links: Misesensei, Herr Tsukamoto, Sato-sensei, Fujioka-sensei und Herr Tiedje